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Ratgeber · Preise und Lager

MHD- und Saisonware:Sale-Preise automatisch steuern.

Wer Ware kurz vor Ablauf oder Saisonende zu spät reduziert, verliert Marge und produziert Abfall. Was das Recht erlaubt, was Studien zu dynamischen Preisen zeigen und wie Shopify und WooCommerce das technisch abbilden.

Stand: September 2026Lesezeit 6 Min.20 Quellen
Supermarktregal mit frischen Früchten
Foto: Gemma C / Unsplash
Kurz gesagt
  • In der Schweiz entstehen jährlich rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelverluste. Der Bund will sie bis 2030 halbieren.
  • Ware nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums darf verkauft werden, wenn sie einwandfrei ist und niemand getäuscht wird. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums nicht.
  • Studien zeigen: Früh und schrittweise reduzierte Preise senken Abfall und können die Marge verbessern.
  • Seit 2025 gelten in der Schweiz vereinfachte Regeln für Vergleichspreise. Sie sollten in jede Preisautomatik eingebaut sein.

Die Ausgangslage in der Schweiz

Laut Bundesamt für Umwelt verursacht der Schweizer Konsum rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelverluste pro Jahr. Pro Person waren das 2017 rund 330 Kilogramm, 2024 noch 310 Kilogramm. Der Bundesrat hat 2022 einen Aktionsplan verabschiedet, der die Verluste bis 2030 halbieren soll; im selben Jahr unterzeichneten Unternehmen und Verbände eine Branchenvereinbarung.[1]

2,8 Mio. tvermeidbare Lebensmittelverluste pro Jahr (BAFU)
10 %davon entstehen im Gross- und Detailhandel (ETH 2019)
20 %weniger Verluste im Detailhandel seit 2017 (Monitoring 2025)

Rund 10 % der Verluste entstehen im Gross- und Detailhandel, der grösste Teil in Verarbeitung und Haushalten.[2, 20] Das Monitoring 2025 zeigt Fortschritte: Über die ganze Kette sanken die Verluste seit 2017 um etwa 5 %, im Detailhandel um etwa 20 %. Das Ziel für 2030 gilt trotzdem als sehr unwahrscheinlich.[3]

Für Händler ist das Thema nicht nur ökologisch relevant. Jeder abgeschriebene Artikel ist verlorene Marge, und gebundenes Kapital im Lager kostet Geld. In der Praxis werden die Lagerhaltungskosten häufig mit 20 bis 30 % des Lagerwerts pro Jahr angesetzt.[15] Das ist eine gängige Praxisannahme und kein fester Wert, zeigt aber die Grössenordnung.

Was das Lebensmittelrecht erlaubt

Die Datierung regelt die Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV). Grundsätzlich ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum anzugeben. Bei mikrobiologisch leicht verderblichen Lebensmitteln ist stattdessen ein Verbrauchsdatum Pflicht. Für einige Produkte wie frisches Obst und Gemüse gibt es Ausnahmen.[4]

  • Nach Ablauf des MHD dürfen Lebensmittel weiterhin abgegeben werden, wenn Qualität und Sicherheit gewährleistet sind und die Konsumenten nicht getäuscht werden. Die Verantwortung trägt der Betrieb.[5]
  • Nach Ablauf des Verbrauchsdatums dürfen Lebensmittel nicht mehr abgegeben werden.[5]
  • Richtwerte: Das BLV nennt je nach Kategorie Fristen für die Abgabe nach dem MHD, von wenigen Tagen bei Kleingebäck und pasteurisierter Milch bis zu rund einem Jahr bei Teigwaren.[5]
Aktueller Stand prüfen

Das BLV hat mit dem Informationsschreiben 2025/4.1 vom 01.09.2026 neue Hinweise zur Abgabe nach Ablauf des MHD und zum Einfrieren vor Ablauf des Verbrauchsdatums veröffentlicht.[6] Prüfen Sie vor der Umsetzung, ob sich Fristen oder Kennzeichnungen für Ihre Produkte geändert haben.

Für eine Preisautomatik heisst das: Produkte mit Verbrauchsdatum brauchen eine harte Grenze, ab der sie nicht mehr verkauft werden. Produkte mit MHD können gestaffelt reduziert und bei einwandfreier Qualität auch nach Ablauf noch angeboten werden, sofern das klar gekennzeichnet ist.

Preisrecht: Vergleichspreise richtig angeben

Seit dem 1. Januar 2025 gilt in der Schweiz eine revidierte Preisbekanntgabeverordnung (PBV). Beim Selbstvergleich, also dem Hinweis auf den eigenen früheren Preis, können Anbieter zwischen zwei Regeln wählen:[7, 8]

  • Bisherige Regel: Der frühere Preis darf halb so lange genannt werden, wie er gegolten hat, höchstens zwei Monate.
  • Neue Regel: Der frühere Preis darf ohne zeitliche Begrenzung genannt werden, auch bei weiteren Preissenkungen, wenn die Ware vorher mindestens 30 aufeinanderfolgende Tage tatsächlich zu diesem Preis angeboten wurde.

Anbieter müssen belegen können, dass der Vergleichspreis tatsächlich galt. Eine Preisautomatik sollte deshalb die Preishistorie pro Artikel speichern. Ob für verderbliche Ware Sonderregeln gelten, sollten Sie im Einzelfall klären.

Wer auch nach Deutschland verkauft, muss dort die Preisangabenverordnung beachten. Nach § 11 PAngV ist bei einer Preisermässigung der niedrigste Preis der letzten 30 Tage anzugeben. Der Europäische Gerichtshof hat 2024 bestätigt, dass sich ein Rabatt auf diesen Preis beziehen muss (C-330/23).[9, 10] Für schnell verderbliche Ware oder Ware mit kurzer Haltbarkeit gilt eine Ausnahme, wenn der Preis wegen drohenden Verderbs gesenkt und das kenntlich gemacht wird.[9]

Was dynamische Preise bewirken

Die Forschung zu dynamischen Preisen bei verderblicher Ware ist eindeutiger als bei vielen anderen Themen. Eine Studie von Robert Sanders (UC San Diego), veröffentlicht in Marketing Science, untersuchte Brot in einer US-Supermarktkette. Dynamische Preise senkten den Abfall um mindestens 21 % und erhöhten die Bruttomarge um 3 %.[11, 12]

Ein Simulationsmodell von Haijema und Kollegen im International Journal of Production Economics (2026) testete Rabatte in den letzten zwei Tagen vor Ablauf. Das Ergebnis: 3,8 % mehr Gewinn, und der Anteil verdorbener Ware sank von 5,6 % auf 3,6 %.[13] McKinsey berichtet für analytisch gesteuerte Preisreduktionen im Handel typischerweise 4 bis 8 % bessere Markdown-Marge, erste Ergebnisse nach 12 bis 14 Wochen.[14]

Das Prinzip dahinter

Wer früh und in kleinen Schritten reduziert, verkauft mehr Ware zu einem noch guten Preis. Wer spät und stark reduziert, verschenkt Marge oder schreibt ab. Eine Automatik kann diese Entscheidung für jeden Artikel mehrmals täglich treffen, was von Hand kaum möglich ist.

So funktioniert eine regelbasierte Preisautomatik

Eine gute Lösung entscheidet nicht nach Bauchgefühl, sondern nach klaren Daten und Grenzen:

  1. Daten erfassen: MHD oder Verbrauchsdatum pro Charge, Saisonende, Bestand und bisheriges Verkaufstempo.
  2. Abverkauf prognostizieren: Reicht das aktuelle Tempo, um den Bestand rechtzeitig zu verkaufen?
  3. Stufen festlegen: Reduktion in kleinen Schritten, mit Mindestpreis und maximalem Rabatt pro Artikel.
  4. Regelmässig neu rechnen: Zum Beispiel zweimal täglich, damit der Preis auf das tatsächliche Verkaufstempo reagiert.
  5. Preise wieder anheben: Verkauft sich ein Artikel schneller als nötig, kann der Rabatt sinken.
  6. Recht einhalten: Vergleichspreise nach PBV, Preishistorie speichern, Verbrauchsdatum als harte Grenze.
  7. Transparent kennzeichnen: Kurzes MHD oder Saisonende im Shop sichtbar machen.

Umsetzung in Shopify und WooCommerce

ThemaShopifyWooCommerce
Sale-PreisOriginalpreis im Feld «Compare-at price», reduzierter Preis im Feld «Price»[16]Felder regular_price und sale_price[18]
ZeitsteuerungDie Shopify-Hilfe nennt keine eingebaute Zeitplanung[16]date_on_sale_from und date_on_sale_to, ausgeführt über WP-Cron[18, 19]
Massenänderung per APIGraphQL-Mutation productVariantsBulkUpdate[17]REST API, auch als Batch
StolpersteinFeste Preise pro Market überschreiben diese Werte[16]Rabatt-Plugins, die erst zur Laufzeit rechnen, erscheinen nicht im Sale-Filter[19]

In beiden Systemen braucht es eine externe Logik, die Daten zu Haltbarkeit und Abverkauf kennt, Preise berechnet und über die Schnittstelle zurückschreibt. Das MHD pro Charge ist in Standard-Shops meist nicht vorhanden und muss aus Lager oder Warenwirtschaft kommen.

Häufige Fragen

Darf ich Lebensmittel nach Ablauf des MHD verkaufen?
Ja, wenn Qualität und Sicherheit gewährleistet sind und die Konsumenten nicht getäuscht werden. Die Verantwortung liegt beim Betrieb. Nach Ablauf des Verbrauchsdatums ist die Abgabe dagegen nicht erlaubt.
Wie lange darf ich einen Streichpreis anzeigen?
Seit 2025 gibt es zwei Möglichkeiten: höchstens halb so lange wie der frühere Preis galt und maximal zwei Monate, oder unbefristet, wenn die Ware vorher mindestens 30 Tage am Stück zu diesem Preis angeboten wurde.
Lohnen sich dynamische Preise für kleine Shops?
Die Studien stammen aus grösseren Handelsunternehmen. Das Prinzip gilt aber auch im Kleinen: Frühe, kleine Reduktionen verkaufen mehr Ware zu besseren Preisen als späte, starke Rabatte.
Kann Shopify Sale-Preise zeitgesteuert setzen?
Die Shopify-Hilfe beschreibt keine eingebaute Zeitplanung für Vergleichspreise. Zeitgesteuerte oder datenbasierte Preisänderungen laufen deshalb über Apps oder eine eigene Automatik über die API.
Gilt das auch für Nicht-Lebensmittel?
Das Prinzip ja, zum Beispiel für Saisonware, Mode oder Kosmetik. Die lebensmittelrechtlichen Regeln zu MHD und Verbrauchsdatum gelten aber nur für Lebensmittel; für Kosmetik gelten eigene Vorschriften.

Quellen

  1. BAFU, Lebensmittelverluste. bafu.admin.ch
  2. Die Volkswirtschaft, Food-Waste reduzieren, 22.10.2021. dievolkswirtschaft.ch
  3. BAFU/ZHAW, Food-Waste-Monitoring, Zwischenbericht Oktober 2025. bafu.admin.ch
  4. foodwaste.ch, Haltbarkeit: Gesetz und Wissenschaft. foodwaste.ch
  5. BLV, Informationsschreiben 2021/9, Abgabe von Lebensmitteln nach Ablauf des MHD (Kopie). bachsermaert.ch
  6. BLV, Informationsschreiben (Übersicht). blv.admin.ch
  7. HANDELSVERBAND.swiss, Preisbekanntgabe: Vereinfachung beim Selbstvergleich. handelsverband.swiss
  8. Zürcher Wirtschaft, Neue Regeln für Rabatte, 16.04.2025. zuercher-wirtschaft.ch
  9. Preisangabenverordnung Deutschland, § 11. juraforum.de
  10. IT-Recht Kanzlei, FAQ Preisermässigungen (EuGH C-330/23), 28.04.2025. it-recht-kanzlei.de
  11. UC San Diego, Dynamic pricing could cut greenhouse gas emissions. today.ucsd.edu
  12. Sanders, Marketing Science 2023. pubsonline.informs.org
  13. Haijema et al., International Journal of Production Economics 2026. sciencedirect.com
  14. McKinsey, Transform retail markdown management, 23.07.2019. mckinsey.com
  15. NetSuite, Inventory carrying costs. netsuite.com
  16. Shopify Help Center, Sale pricing. help.shopify.com
  17. Shopify Dev Docs, ProductVariantsBulkInput. shopify.dev
  18. WooCommerce REST API, Product properties. woocommerce.github.io
  19. Webstepper, How WooCommerce sale prices work internally, 2026. webstepper.io
  20. Beretta, Hellweg, Lebensmittelverluste in der Schweiz, ETH Zürich 2019. bafu.admin.ch

Stand: September 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Preise, Gesetze und Produktfunktionen ändern sich; massgebend ist der aktuelle Stand der verlinkten Quellen.

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